Alltag

Essen und Trinken war Teil der aufwändig gestalteten Hofhaltung im Barock. Die Modegetränke Tee, Kaffee und Schokolade eroberten zu Beginn des 18. Jahrhunderts die höfische Gesellschaft. Für standesgemäße Kleidung kaufte der Weikersheimer Hof in Frankfurt, Würzburg und Leipzig ein; dazu kamen die Kosten für den Hofschneider, Kammerzofen und Waschmägde, die sich um die Kleidungsstücke kümmerten. Der Familie hatte Zeit: Zum adeligen Zeitvertreib gehörte das Kartenspiel ebenso wie die Jagd.

Porzellan aus Carlsberg

Essen und Trinken
An der „Hochherrschaftlichen Tafel“ speisten die Grafenfamilie und deren engste Umgebung. Diese insgesamt zwölf Personen bekamen täglich zu jeder Mahlzeit „samt der Supp 8 Speißen“ vorgesetzt, also ein abwechslungsreiches, mehrgängiges Menü. Gegessen wurde in der Tafelstube, in der auch das Büffet mit den silbernen und vergoldeten Tafelaufsätzen stand. Ein möglichst repräsentatives Bild der zubereiteten Speisen auf der Tafel – zumal bei feierlichen Anlässen - war erwünscht, dazu gehörten prächtige Tafelaufbauten und entsprechendes Geschirr.

Teeservice

Nicht nur die Essensmengen – und diese waren nicht klein! – spielten eine Rolle, sondern auch die reichliche Verwendung von exotischen Gewürzen und Luxuswaren aus dem Fernhandel. So zeigte der Weikersheimer Hof, dass er wie andere barocke Höfe wusste, was standesgemäße Küche war.

Teestunde

Modegetränke
Beim Trinken von Tee, Kaffee und Schokolade folgte Weikersheim der neuesten Mode, die regelrecht zelebriert wurde. Kostbare Service aus dem neuen Material Porzellan oder Fayence gehörten zur modischen Getränkesitte. Die Inventare der Grafenfamilie zählen eine große Menge von Kaffee- und Teegeschirr auf.

August von Hohenlohe-Kirchberg

Kleidung
Die Kleidung diente an den barocken Höfen ebenfalls der Repräsentation. Man zeigte sich als wohlhabend, machtvoll und „ en vogue“. Die Kleider waren aus schweren und steifen Stoffen gefertigt, die das Schreiten und Stolzieren unterstützten. Die wichtigsten Kleidungsstücke für Männer: Das kostbar verzierte Justaucorps, ein eng am Körper liegender Mantel, und die reich bestickte Weste. Darunter trug man(n) ein Hemd, dessen Ärmel mit Spitzen verziert waren. Bei den Hosen handelte es sich um eng anliegende Kniehosen . Die Kniestrümpfe waren häufig aus Seide; die Schuhe sind schwarz – mit Silberschnalle und vor allem mit Absätzen, die erstmals in der europäischen Modegeschichte auftauchen.

Kaiserin Elisabeth Christine und Maria Theresia

Die Damen trugen ein Oberkleid, darunter einen Reifrock und ein Korsett, das die Hüfte betonte. Das Porträt von Kaiserin Elisabeth Christine und ihrer Tochter Maria Theresia zeigt: Mädchen wurden – inklusive Korsett – wie kleine Frauen angezogen. Modische Accessoires wie der Fächer, Schmuck und kleine Schönheitspflästerchen, so genannte „Mouches“, waren sehr beliebt. Perücken waren Teil der Haarmode. Sie wurden weiß gepudert.
Parfum ist aus der höfischen Kultur des 18. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Es sollte vor ansteckenden Krankheiten schützen und natürlich auch unangenehme Gerüche beseitigen. In Weikersheim benutzte man als Parfum zum Beispiel Jasminöl oder „Ungarisch Wasser", das auf einer Grundlage von Rosmarin basiert.

courtly diversion

Zeitvertreib
Wie verbrachten die Adeligen den Tag? Man las, schrieb Briefe oder promenierte im Garten, der sowohl der Repräsentation diente als auch ein Ort der zahlreichen Feste und Feierlichkeiten war. Das Steckenpferd vorwiegend adeliger Männer war die Jagd.

Aber auch Gesellschaftsspiele waren im 18. Jahrhundert groß in Mode und dienten der Zerstreuung und Kurzweil. An kleinen Tischchen fand man sich zusammen. Beliebt bei der gräflichen Familie waren Lotterien, Kartenspiele wie L'Hombre, Piquet und Tressete, Brettspiele, Billard und Scheibenschießen.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook