Barocke Mittel gegen Langeweile
Was tat die Hofgesellschaft den ganzen Tag? Nun, der Graf war sicherlich bis zu einem gewissen Grad mit Verwalten und Regieren beschäftigt. Die Gräfin bezahlte zwei Hoffräulein, die ihr ständig Gesellschaft leisteten. In den freien Stunden las man, schrieb häufig Briefe oder promenierte im Garten. Die Damen beschäftigten sich zusätzlich mit feinen Handarbeiten. Der Graf und sein Sohn frönten einem unter adeligen Männern weit verbreiteten Steckenpferd: der Jagd. Auch Besuche und Gegenbesuche der Hohenlohes und anderer Familien brachten Abwechslung nach Weikersheim – oft mehrere Wochen lang. Bälle und Festlichkeiten dienten dabei der Unterhaltung und der Repräsentation.
Aber auch Gesellschaftsspiele waren im 18. Jahrhundert groß in Mode und brachten Zerstreuung und Kurzweil. Man fand sich an kleinen Tischchen zusammen, um Tee zu trinken und sich der Spielleidenschaft hinzugeben. Der Weikersheimer Hof pflegte die damals üblichen Kartenspiele wie das „königliche L'Hombre“ - einen Vorläufer des Skats -, Piquet und Tressete oder spielte Brettspiele wie Dame, Mühle und Backgammon. Viele dieser Spieltische haben sich i n Weikersheim erhalten; noch mehr sind archivalisch belegt. Zum Beispiel für den Rittersaal: Dort standen 1745 insgesamt 15 (!) Spieltische.
Sie gehörten jedoch nicht zur festen Innenausstattung, sondern wurden nur bei Bedarf eingesetzt. Ihre Tischplatten waren häufig zusammenklappbar oder abnehmbar. Das heißt aber nicht, dass bei diesen Gebrauchsmöbeln an Schmuck und Eleganz gespart wurde. Ganz im Gegenteil. Es gab Tischplatten mit kostbaren Einlegearbeiten, solche mit gewirkten Überzügen und Fransen, Samt- oder Damastbezügen.
Neben den Gesellschaftsspielen waren bei der gräflichen Familie Billard, Scheibenschießen und offenbar das Kegelspiel beliebt. Eine Kinderausgabe – offenbar für den kleinen Erbgrafen bestimmt – ist im Schlossinventar aufgelistet. Wobei Graf Carl Ludwig bei der Erziehung seines Sohnes freilich Wert auf Zurückhaltung beim Spielen legte. Für die Bediensteten schlug er gar ein Spielverbot vor, da die meisten „die Nachmittags Zeit lieber zum Spiehlen und Spazierengehen als arbeiten anwenden“.