„Hier steht der Carlsberg nun, sein Bau der ist vollführet, vortrefflich eingerichtet und herrlich ausgezieret mit vieler Seltenheit und vielen Fertigkeiten, da eine um den Rang will mit den anderen streiten. …“
Mit diesen Worten beginnt das Einweihungsgedicht des Kanzleidirektors Georg Tobias Pistorius, der im Sommer 1736 zur Harfe griff und so das vollendete Lustschloss feierte.
Bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts diente ein bewaldeter Höhenzug in der Nähe des Weikersheimer Schlosses als Tierpark und damit Jagdrevier. Inmitten dieses Tierparks ließ Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim 1727 bis 1735 das Lust- und Jagdschlösschen errichten. Nach seinem Namen taufte er es „Carlsberg“. Als Architekten hatte er den Öttinger Baumeister Johann Christian Lüttich gewählt, der zuvor bereits die prachtvolle Orangerie im Weikersheimer Schlossgarten errichtet hatte. Umgeben war das Schlösschen von vier Pavillons, die 1747 als Küchen-, Kavaliers-, Fräulein- und Gärtnerbau bezeichnet werden. Ein sternenförmiges Wegsystem ging von hier aus in den Wald hinein. Abgeschlossen war das gesamte Areal mit einer massiven Mauer aus Kalkbruchsteinen.
Der Hauptbau, der nur noch bruchstückhaft erhaltenen Anlage, war ein zweigeschossiger quadratischer Zentralbau mit vier seitlichen Giebeln. Im Herzen des Gebäudes lag ein runder Saal, der durch Oberlichter erhellt und von einem kuppelartigen Dach bekrönt wurde. Um diesen Saal gruppiert standen der „gnädigen Herrschaft“ 17 prächtige Räume zur Verfügung. In den vier Eckzimmern des Obergeschosses logierten der Graf, seine Gemahlin, sein Sohn und seine Schwiegertochter.
Das Äußere war schlicht gelb verputzt und grau gefasst. Im Inneren hingegen entfaltete sich eine schmuckvolle Ausstattung: farbig gefasster Stuck, Deckengemälde und Wandbespannungen, bemalt mit allerlei Jagd- und Tierszenen. Christian Thalwitzer aus Crailsheim, dessen Hauptwerk die Lambrisbemalung im prachtvollen Weikersheimer Rittersaal ist, bemalte 1733 die Wandbespannungen mit der Geschichte Robinson Crusoes nach dem Bestseller von Daniel Defoe aus dem Jahre 1719. Eine Ausgabe dieses Romans war in der gräflichen Bibliothek in Schloss Weikersheim vorhanden. Des weiteren war das Schlösschen mit edlem Mobiliar und kostbarem Tafelgeschirr ausgestattet.
Über zwanzig Jahre lang hielt sich der Hofstaat in den Sommermonaten auf dem Carlsberg auf und feierte dort auch Feste – zuletzt den 81. Geburtstag des Grafen am 24. September 1755, wenige Monate vor seinem Tod. Bald darauf setzte der Verfall ein, der bis zum Abriss führte. Bis heute erhalten haben sich zwei Pavillons – in dem einen befindet sich ein Forstmuseum – und das so genannte Gelbe Haus, das Graf Carl Ludwig 1742/43 als Saalbau am Rand der Carlsberg-Anlage errichten ließ.