Lebensstationen

Geburt, Erziehung, Ehe und Tod waren in der barocken Adelswelt keine privaten Angelegenheiten. Finanzielle und dynastische, politische und religiöse Faktoren spielten zum Beispiel bei der Erziehung und der Wahl des Ehepartners eine größere Rolle als die individuelle Neigung. Die verschiedenen Lebensstationen boten der Grafenfamilie Anlässe, ihre Position zu festigen oder die Bedeutung ihrer Familie zu demonstrieren.

Wiege des Erbgrafen

Geburt

Ein wichtiger Zweck der adeligen Ehe waren möglichst viele Kinder: Während Söhne das Fortbestehen des Hauses sicherten, konnten Töchter politisch vorteilhaft verheiratet werden. Durch mangelnde medizinische Versorgung war die Geburt oft mit gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind verbunden, die Kindersterblichkeit war sehr hoch.

Gräfin Elisabeth Friederike Sophie erlitt zwischen 1717 und 1721 drei Fehlgeburten, zwei Kinder starben früh. Lediglich der am 24. März 1716 geborene Erbgraf Albrecht Ludwig Friedrich erreichte das Mannesalter. Mit seiner Geburt erfüllte die Gräfin die an sie gerichteten Erwartungen und nahm ihre Rolle als „ Landes Mutter“ ein.

Ausschnitt aus Gemälde von Fr.L. Hauk

Erziehung

Der Bildungsweg eines jungen Adeligen folgte im Barock einem vorgeschriebenen Schema. Erbgraf Albrecht Ludwig Friedrich bekam demzufolge im Alter von fünf Jahren seinen ersten Hauslehrer. Mit fünfzehn besuchte er das Collegium Illustre in Tübingen. Er erhielt Unterricht in den von seinem Vater vorgeschrieben Fächern Latein, Französisch, „Moral, Politica, Historica, Mathematica, die Ingenieur und Fortifications Kunßt“ sowie Reiten, Fechten und Tanzen. Anschließend unternahm er eine lange Bildungsreise, die so genannte „Kavalierstour“. Die Reiseroute verlief nach Holland, England und Belgien. So lernte er andere Höfe und politische Verhältnisse kennen und konnte seinen Geschmack

Ehevertrag

Ehe

Im 18. Jahrhundert war die Ehe ein Schachzug der Macht- und Vermögenspolitik: Rang, Vermögen, Konfession und politische Zugehörigkeit mussten stimmen. Persönliche Neigungen und Liebe waren unwichtig. Für Graf Carl Ludwig und seine zweite Frau Elisabeth Friederike Sophie kamen nur wenige passende Partner in Frage. Der umfangreiche Ehevertrag legte fest, dass Graf Carl Ludwig 100.000 Gulden Mitgift von seiner Frau erhielt. Dafür gewährte er ihr lebenslang jährlich 500 Gulden und musste Schloss Künzelsau für sie herrichten. Der Vertrag trägt die Siegel und Unterschriften von Graf Carl Ludwig, seinem Bruder und dem Brautvater, die Braut selbst unterschrieb nicht.

 Leichenzug, Ausschnitt aus der Leichenpredigt

Tod

Graf Carl Ludwig starb am 5. Mai 1756 im Alter von 81 Jahren. Nach seinem eigenen Wunsch sollte die Bestattung ohne großen Prunk begangen werden. Sieben Tage wurde der Leichnam in der Schlosskapelle aufgebahrt, danach wurde er in die Stadtkirche überführt und in der Gruft beigesetzt. Eine Prozession geleitete den Leichnam bei Fackelschein. Die vom Hofprediger und Beichtvater des Grafen verfasste Predigt wurde zusammen mit dem Porträt des Grafen, der Einsegnungsrede, Gedichten auf den Verstorbenen und seiner Lebensbeschreibung in aufwändiger Form gedruckt. Sie wurde an Verwandte und andere Adelshäuser verschickt.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook