Einkommen und Macht eines Herrschers hingen vor allem von der Größe und dem Reichtum seines Landes ab. Doch wie „funktionierte“ die Administration der Grafschaft? Wie regierte Graf Carl Ludwig als „ Landes-Vatter “? Stimmten die Finanzen ? Warum besaß die Grafenfamilie neben Schloss Weikersheim noch weitere Nebenresidenzen?
Die Administration der Grafschaft war vierstufig aufgebaut: An oberster Stelle stand Graf Carl Ludwig, der formal alle drei Gewalten ausübte. Die nächste Ebene bildete die Regierung . Sie war dreigeteilt in ein Konsistorium (Leitung der Landeskirche), eine Kammer (Finanzbehörde) und eine Kanzlei (Innen- und Außenpolitik, Gesetzgebung, Rechtsprechung und Polizei). Die folgende Verwaltungsebene waren die Ämter , die als organisatorische Untereinheiten verschiedene Dörfer zusammenfassten. Den Ämtern stand jeweils ein Amtmann vor, der die praktische Verwaltung leistete. An unterster Stelle standen die Gemeinden , in denen die herrschaftlich eingesetzten Schultheiße die Exekutive vor Ort bildeten.
Der Graf sah sich als mächtiger und fürsorglicher „Landes-Vatter“ seiner Untertanen. Formal stand über dem Grafen nur der Kaiser. In der Praxis gab es für ihn jedoch enge Grenzen. Graf Carl Ludwig war an die hohenlohischen Familiengesetze gebunden und musste sich mit den Herrschern der anderen Familienzweige abstimmen. Außerdem gehörte Hohenlohe zum Fränkischen Reichskreis, einem von zehn Reichskreisen. Hier verständigten sich alle hohenlohischen Grafen mit den Nachbarländern in wirtschaftlichen und militärischen Fragen.
In der Grafschaft existierten drei separate Kassen: die „Chatoul“ des Landesherrn, die Kammer- und die Landschaftskasse. Aus der Kammerkasse wurden auch die Ausgaben des Landesherrn finanziert. In die Landeskasse gelangten Einnahmen, die die Kosten für „Landesbedürfnisse“ wie Rechtspflege decken sollten. Jedoch waren in der Realität die Kassen nicht streng voneinander getrennt.
Die Einnahmen der Grafschaft erfolgten durch Steuern, Abgaben und Naturalien. Etwa zwei Drittel der Naturalien wurde für die Hofhaltung und die Bezahlung der Bediensteten und Handwerker gebraucht. Die übrigen Naturalien konnten verkauft werden und brachten noch einmal ein Viertel bis ein Drittel ein.
Die Ausgaben verteilten sich, vorsichtig geschätzt, so: ein Drittel für die Grafschaft, z.B. Verwaltung oder Straßenbau, ein Drittel für die Hofhaltung, ein Drittel für Schuldzinsen und andere Ausgaben. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen oft bei weitem. Schulden waren in der Welt der Adeligen im 18. Jahrhundert nicht ungewöhnlich, allerdings waren sie in Weikersheim außergewöhnlich hoch. Graf Carl Ludwig hatte die Gefahr immerhin erkannt und befahl 1739, eine Kommission einzurichten, die Auswege aus der Finanzkrise aufzeigen sollte. Die von seinen Beamten in einem Gutachten ausführlich aufgelisteten Sparmaßnahmen gefielen der Grafenfamilie nicht sonderlich.
Im Barock gehörten Nebenresidenzen und Lustschlösser zur standesgemäßen Hofhaltung. Während das Residenzschloss zur Repräsentation diente, waren solche kleineren Häuser Orte des Rückzugs, der Erholung und Abwechslung.
Rückzugsorte, an denen die Adeligen dem Vergnügen der Jagd nachgehen konnten, waren Schloss Hermersberg, der Jagdsitz in Louisgarde, das Lusthaus in Schäftersheim und das Lust- und Jagdschloss Carlsberg. Graf Carl Ludwig zog sich dorthin zurück "wenn er das Geräusch des Hofes und der Stadt flohe". zurück