Hofleben

Vor dem Grafen kamen die Bauleute – oder: Wie richtet man ein Schloss her?

Vor dem Grafen kamen die Bauleute – oder:

Lehrjunge mit Messstab auf einem Baugerüst.

Am 30. Mai 1708 war Graf Carl Ludwig per Losentscheid Schloss Weikersheim als Erbteil zugefallen. Der Graf besaß einen realistischen Blick. Seine künftige Residenz war ein alter Kasten, „hors de la mode“ und dazu seit 13 Jahren unbewohnt. Carl Ludwig wich in ein Interimsquartier aus, das Jagdschloss Hermersberg bei Niedernhall. In Weikersheim ließ er Bauleute aufziehen. Sie sollten eiligst einige Räume herrichten, um die Renaissanceanlage standesgemäß nutzbar zu machen.

Georg-Friedrich-Zimmer im Küchenflügel, Schloss Weikersheim. Tür mit Bekrönung, Boden und Ofen unter Graf Carl Ludwig ausgeführt, Stuckdecke aus der Renaissancezeit.

Wir wissen nicht, ob die Arbeiten einem Gesamtplan folgten. Augenfällig ist aber, was der barocke Zeitgeschmack verlangte. Während sich die Räume des Schlosses ursprünglich von Korridoren her erschlossen hatten, wurden nun mehrere Appartements eingerichtet. Wie bei den Interieurs vorgegangen wurde, lässt sich schön am Beispiel des Georg-Friedrich-Zimmers im Küchenflügel des Schlosses erkennen: Die Tür mit ihrer Bekrönung, der Boden und der Ofen wurden unter Graf Carl Ludwig eingebaut. Die Stuckdecke stammt dagegen noch aus der Zeit der Renaissance. In anderen, eindeutig für Repräsentationszwecke vorgesehenen Räumen wurden auch die Decken erneuert.

Barocke Wandtapete aus Leder, im Schutzgestell des Depots. Schloss Weikersheim.

Das heute auffälligste Merkmal barocker Raumgestaltung sind die kostbaren Tapisserien, Wandteppiche von oft großem Ausmaß, und die Bespannungen der Wände mit schweren Tapeten aus Stoff oder Leder. Möbliert wurde unter Carl Ludwig uneinheitlich – wohl ein Hinweis auf die notorische Ebbe im Grafensäckel. Für seine Repräsentationsräume ließ Carl Ludwig bei Kunsttischlern aus der Region neues Prunkmobiliar fertigen. Ende Juni 1708 führte zudem ein großer Transport Mobiliar aus Öhringen heran. Alte, mit dem Schloss übernommene Möbel fanden ihren Platz in nachrangig genutzten Räumen.

Marstall, Graben, Brücke und Toreinfahrt von Schloss Weikersheim

Der Graf hielt seinen feierlichen Einzug in Weikersheim am 6. Januar 1709. Die Arbeiten im Schloss und dem ebenfalls neu anzulegenden Garten zogen sich danach freilich noch über Jahre hin. Das war seinerzeit nicht ungewöhnlich. Der Blick auf Aushub und Gerüste gehörte zum Hofleben des Barock. Als Bauherr stand Carl Ludwig in seiner Hohenloher Verwandtschaft nicht allein. Um 1710 wurde in der Region eine ganze Reihe aus der Renaissancezeit stammender Schlösser umgebaut. Das hing ebenso mit der Zugkraft der neuen Mode höfischen Bauens zusammen wie mit der großen Zahl Hohenloher Seitenlinien: Sie alle verlangten nach einer vorzeigbaren Residenz.

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Technische Beratung, Gestaltung, Konzept und Umsetzung: Ralf Gatzki und Friederike Rook