Schatzkästchen der Renaissance und des Barock

Schloss und Schlossgarten Weikersheim

KARTENSPIEL, JAGD UND VERWANDTENBESUCH

BAROCKE MITTEL GEGEN LANGEWEILE

Was tat eine Hofgesellschaft den ganzen Tag? Der Graf war mit Regieren und Verwalten beschäftigt. Die Gräfin korrespondierte mit der Verwandtschaft. Da blieb noch genug Zeit übrig. Womit verbrachten die vornehmen Herrschaften ihre Tage?

Gemälde: Hofdame und Hofherr beim Gesellschaftsspiel; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Felix Muhle

Dame und Herr beim Brettspiel.

IMMER GESELLSCHAFT

Die Gräfin bezahlte zwei Hoffräulein, die ihr ständig Gesellschaft leisteten. In den freien Stunden las man, schrieb Briefe oder promenierte im Garten. Die Damen beschäftigten sich mit feinen Handarbeiten. Der Graf und sein Sohn frönten einem unter adeligen Männern verbreiteten Steckenpferd: der Jagd. Besuche und Gegenbesuche der Hohenlohes und anderer Familien brachten Abwechslung nach Weikersheim – oft mehrere Wochen lang. Festlichkeiten dienten dabei der Unterhaltung und der Repräsentation.

Historischer Spieltisch, Schloss Weikersheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Ein Tisch mit kostbaren Silbereinlagen.

ÜBERALL SPIELTISCHE

Gesellschaftsspiele waren im 18. Jahrhundert groß in Mode. Am Weikersheimer Hof spielte man Karten, etwa „L'Hombre“, ein Vorläufer von Skat, „Piquet“ und „Tressete“ oder Brettspiele wie Dame, Mühle und Backgammon. Viele dieser Spieltische haben sich in Weikersheim erhalten, noch mehr sind in alten Dokumenten genannt. Im Rittersaal standen laut einem Verzeichnis von 1745 insgesamt 15 Spieltische, alle leicht transportabel. Einige konnten sogar zusammengeklappt werden.

STRENGE SITTEN

Neben den Gesellschaftsspielen waren bei der gräflichen Familie Billard, Scheibenschießen und Kegeln beliebt. Ein Kegelspiel für Kinder – offenbar für den kleinen Erbgrafen bestimmt – ist im Schlossinventar aufgelistet. Wobei Graf Carl Ludwig bei der Erziehung seines Sohnes freilich Wert auf Zurückhaltung beim Spielen legte. Für die Bediensteten schlug er gar ein Spielverbot vor, da die meisten „die Nachmittags Zeit lieber zum Spiehlen und Spazierengehen als arbeiten anwenden“.