Schatzkästchen der Renaissance und des Barock

Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Versorgung aus Keller und Küche

Die Hofküche

Die Grafenfamilie, ihr Hofstaat und zahlreiche Hofbedienstete wohnten im Weikersheimer Schloss. Alle mussten – ihrem Rang gemäß – verköstigt werden. Das war eine umfassende Aufgabe für die Hofküche mit ihrem Personal: Mundkoch, Küchenschreiber, Bäcker, Küfer, Lakaien, Mägde und Gehilfen.

Allianzwappen von Hohenlohe-Öttingen; ; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Das Wappen der Weikersheimer Grafenfamilie

Viel Arbeit: Der Hofstaat speist

Am Weikersheimer Hof gab es, wie an allen barocken Höfen, auch bei den Mahlzeiten eine klare Rangordnung. An der „hochherrschaftlichen Tafel“ speiste die Grafenfamilie mit ihrer engsten Umgebung. Das waren insgesamt 12 Personen, die täglich zu jeder Mahlzeit „samt der Supp 8 Speißen“ vorgesetzt bekamen. Am sogenannten Nachtisch saßen die Mitglieder des Hofstaates, die direkt nach der Herrschaft aßen. Dann gab es noch den Lakaientisch und am unteren Ende der Rangordnung den Knechttisch.

Figur im Schlossgarten von Weikersheim Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Der passende Tropfen war wichtig bei den Mahlzeiten.

Wer trug die Verantwortung?

Die wichtigsten Personen in der Küche waren der Mundkoch und der Küchenschreiber, die für die Bevorratung und die Verwaltung von Lebensmitteln zuständig waren. Beides waren sehr wichtige Aufgaben – gerade angesichts der Mengen, die in der Schlossküche jeden Tag zubereitet wurden. Besonders gut bezahlt war die Stelle des Küfers, der die Weinkeller des Schlosses verwaltete. Hier lagerten nicht nur die Weine der gesamten Grafschaft, sondern auch teuer eingekaufte Tropfen, etwa Champagner oder Wein aus Burgund.

Der Hofjägermeister, die Köchin und der Küchen- und Kellermeister: das Personal bevölkert als Zwergengalerie den Schlossgarten.

Von der Sauberkeit in der Küche

Der Küchenschreiber musste gewährleisten, dass „die Speißen uf die Hochgräfliche Taffel ordentlich und sauber zugerichtet“ kamen. Das scheint ein wiederkehrendes Problem gewesen zu sein: 1709 bekam der Küchenschreiber eingeschärft, dass nur der Koch und seine Gehilfen „umb den Heerd herumb stehen“ dürfen. Noch 30 Jahre später beschwerte sich der Graf, dass die „Unsauberkeit in der herrschaftlichen Küch“ unbeschreiblich groß sei und alles „auff einer unabgewischten unfläthigen Anricht auff- und untereinander“ liege.

Ehemalige Dachkammer im Weikersheimer Schloss; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Die Dienstboten wohnten unter dem Dach.

Personal einsparen!

Ein ganz anderes Problem war die Überalterung des Personals am Weikersheimer Grafenhof: Bedienstete gingen nicht in Rente, sondern wurden bis zu ihrem Tod beschäftigt. Eine Stelle konnte nur durch das „Hinscheiden“ des Stelleninhabers eingespart oder neu besetzt werden. Ganz anders ging Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden 1707 mit dem Zwang zu sparen um: Von 325 Bediensteten mussten 170 gehen. Einen Teil der entlassenen Diener stellte sie später wieder an.

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