Schatzkästchen der Renaissance und des Barock

Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Fest im Rittersaal von Schloss Weikersheim; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Sonja Wünsch
THEATER, TANZ UND RITTERSPIELE

FESTE AM GRAFENHOF

Graf Wolfgang II. und seine Ehefrau Magdalena waren nicht nur tief gläubig, sondern auch darauf bedacht, ihren Weikersheimer Hof repräsentativ zu führen. Eine beliebte Möglichkeit, Prunk zur Schau zu stellen, waren gesellige Feste. Dann gab es neben gutem Essen und viel Wein auch Musik und Tanz, Theater und Maskenbälle, Ritterspiele und Jagden.

Die Wiege des Erbprinzen; Foto: Hohenlohe-Zentralarchiv, Neuenstein

Eine Kindstaufe bot einen guten Anlass zum Feiern.

FEIERN ZU JEDER GELEGENHEIT

Graf Wolfgang II. galt als lebensfroher Mensch der Renaissance-Zeit, der kaum eine Gelegenheit zum Feiern ungenutzt verstreichen ließ. Wenn er und seine Frau Besuch auf Schloss Weikersheim empfingen, wurde dies gebührend zelebriert. Prunkvoll gefeiert wurde jedoch bei wichtigen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen. Einen besonders großen Aufwand betrieb die Grafenfamilie bei der Taufe des Grafen Albrecht im Jahr 1586. Mehrere Dutzend Adelige kamen damals nach Weikersheim – und feierten ganze 14 Tage lang.

Exotisches Obst, Details aus den Reliefs des Ritersaals; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Günther Bayerl

Auch außergewöhnliche Lebensmittel kamen auf den Tisch.

ÜPPIGES ESSEN UND REICHLICH WEIN

Das gemeinsame Essen spielte bei den Feierlichkeiten am Hofe eine wichtige Rolle. Das Morgenessen und das Nachtessen, die beiden üppigen Mahlzeiten pro Tag, wurden an der herrschaftlichen Tafel gebührend zelebriert. Jede Mahlzeit bestand aus drei Gängen, bei denen Fisch, Fleisch und Beilagen serviert wurden. Anschließend gab es Obst und Konfekt. Zum Essen wurde reichlich Wein ausgeschenkt – zu jedem Gang ein anderer Tropfen. So erstreckten sich die herrschaftlichen Mahlzeiten oft über mehrere Stunden.

Theatermaske; Foto: pixabay_gemeinfrei

In Weikersheim wurde bis in die Nacht getanzt.

THEATER, TANZ UND MUMMENSCHANZ

Für Unterhaltung war bei den Festen des Grafenpaares gesorgt: Während und nach den Mahlzeiten führten Schauspieler kleinere Theaterstücke auf, Szenen aus der antiken Mythologie oder der Bibel. Überwiegend standen Lustspiele auf dem Programm, die zum Amüsement der Festgesellschaft beitrugen. Spielleute musizierten während des Essens und spielten zum Tanz auf. Beliebt war der „Mummenschanz“, eine Art Maskenball: Das Grafenpaar und seine Gäste verkleideten sich als spanische Jungfrauen oder auf „Türckische Arth“.

Jagdszene aus dem Deckengemälde des Rittersaals; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Die Jagd war ein beliebter höfischer Zeitvertreib.

RITTERSPIELE UND JAGDEN

Zu den höfischen Festen gehörten Ritterspiele, wie sie beispielsweise bei der Taufe des Grafen Philipp Ernst 1584 veranstaltet wurden. Aus den Akten weiß man, dass „die Herren, das Frauenzimmer und der Juncker“ damals zum Zeitvertreib im Schlossgarten hoch zu Ross mit Lanzen nach einem aufgehängten Ring fischten. Auch ging die Hofgesellschaft je nach Jahreszeit auf die Jagd, anschließend wurden Zelte für den Umtrunk aufgestellt, etwa 1579 bei der Taufe von Katharina Johanna, der siebten Tochter Graf Wolfgangs II. und seiner Frau.

Rittersaal von Weikersheim mit Prunkkamin; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Blick in den Rittersaal von Weikersheim, ein Ort rauschender Feste.

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Über Kreuz