Schatzkästchen der Renaissance und des Barock
Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Donnerstag, 22. Oktober 2020

Schloss und Schlossgarten Weikersheim | Allgemeines Weikersheimer Spuren der Reformationszeit. Reformationstag am 31. Oktober

Schloss Weikersheim war das Zentrum, von dem zu Zeiten des Grafenpaares Wolfgang II. und Magdalena um 1600 die Reformation für die Grafschaft ausging. Zu sehen ist das heute noch: in der eleganten protestantischen Schlosskirche, die damals entstand – und sogar im berühmten Rittersaal. Der Reformationstag am 31. Oktober ist Anlass, an diese besonderen Orte der Reformationsgeschichte in Hohenlohe zu erinnern.

EDLER ANDACHTSRAUM DES PROTESTANTISCHEN GRAFEN

Die Schlosskapelle von Weikersheim, 1600 vollendet, ist von protestantisch schlichter Vornehmheit. Schwarze Säulen tragen die Empore, der Rest ist in Weiß und Gold gehalten. Eine Empore umzieht auf drei Seiten den Raum. Dass es sich um die Kirche der gräflichen Residenz handelte, zeigt sich an der Herrschaftsloge: Hier, auf der Ostseite des Kirchenraumes, gab es eine eigene Abteilung für die gräfliche Familie mit verglasten Fenstern, zugänglich direkt aus den Schlossräumen. Die zweistöckige Kapelle liegt im Saalbau und schließt an den Rittersaal an. Von außen erkennt man den Sakralraum nicht, seine Fenster richten sich nach der Stockwerkseinteilung des übrigen Schlosses – das war bei Schlossbauten oft so üblich.

 

GESCHICHTEN DES ALTEN UND DES NEUEN TESTAMENTS

Die elegante Schlichtheit der Kapelle hat ihren Grund. Graf Wolfgang II. von Hohenlohe und Gräfin Magdalena von Nassau-Katzenelnbogen waren beide streng gläubige Protestanten. Reicher Bilderschmuck im Kirchenraum oder gar am Altar war daher nicht denkbar. Allerdings tragen die Brüstungen der Emporen feine und figurenreiche Reliefs. Der Bildhauer Gerhard Schmidt stellt hier auf zehn Doppelfeldern biblische Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament gegenüber. Das war möglich – ganz im Gegensatz zu Heiligendarstellungen, die mit der Reformation aus den protestantischen Kirchen verbannt worden waren.

 

IDEALES HERRSCHERPAAR DER ZEIT

Das 16. Jahrhundert ist die Zeit der Neuordnung – und das betraf nicht nur die Konfessionen. Die reformierten Herrscher ordneten ihre Länder neu. Sie systematisierten Schulwesen und Kirche, Justiz und Verwaltung, Wirtschaft und Handwerk. Graf Wolfgang II. und Gräfin Magdalena waren da geradezu idealtypisch. Beide waren gebildet, kundig in vielen Wissenschaften, musisch interessiert – und obendrein evangelisch und fromm. Unglaublich vieles packt der Graf während seiner Regierungszeit an. Vieles davon wird von seiner Frau mitgestaltet.

 

FROMM UND VIELFÄLTIG AKTIV

Gräfin Magdalena (1547‒1633) stammte aus einem reichen und mächtigen Adelsgeschlecht: Ihr Bruder war Wilhelm von Oranien, prägende Figur im Befreiungskrieg der protestantischen Niederlande. Sie wirkte direkt mit bei der Verwaltung des Landes. Und als überzeugte Calvinistin nahm sie direkten Einfluss auf die religiösen Verhältnisse in der Grafschaft. Graf Wolfgang II. (1546‒1610) verfasste selbst wesentliche Teile des neuen Katechismus, des religiösen Lehrbuchs für seine Untertanen. Der Landesherr war ein streitbarer Christ: Er schrieb, er wolle sich für sein persönliches Glaubensbekenntnis „so klein als grün Kraut hacken lassen“. Und er entwarf für ganz Hohenlohe eine neue reformatorische Kirchenordnung.

 

DAS NEUE SCHLOSS ENTSTEHT

Neu entstand damals auch das Schloss und zumindest in den repräsentativen Teilen wurde es auch fertiggestellt. Das Wichtigste: der Saalbau mit Schlosskirche und Rittersaal. Die durchdachte Ausgestaltung demonstrierte bis ins Detail, dass das Grafenpaar weltläufig, gebildet und evangelisch war. Im Rittersaal haben sich zwei große Reliefs erhalten, die das ganze Selbstverständnis zeigen. Das Relief am Portal zeigt eine „Türkenschlacht“, Symbol für den Kampf gegen die Ungläubigen. Erstaunlich: Zusammen mit den osmanischen Soldaten stehen auf der gleichen, feindlichen Seite auch die katholischen Truppen, ein Hinweis auf die scharfe Frontstellung der Konfessionen um 1600.

 

DAS BILD DES IDEALEN CHRISTLICHEN HERRSCHERS

Ein großes Relief am Kamin zeigt den idealen christlichen Herrscher, mit einem ungewöhnlichen Symbol: Eine Schlange mit der Bibel im Maul steht für die beiden Tugenden Klugheit und Glaube. Ganz protestantisch verbildlicht sie: Alle Weisheit kommt aus der Heiligen Schrift. Mit dieser programmatischen Dekoration im Rittersaal zeigt Graf Wolfgang II. sein eigenes Selbstverständnis als Herrscher. Und er kam dem Bild wohl ziemlich nah: Kurz vor seinem Tod hob der Graf die Leibeigenschaft auf. Damit war er seiner Zeit weit voraus.

 

SERVICE UND INFORMATION

Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Schloss Weikersheim ist ab dem 24. Oktober wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie bis auf Weiteres geschlossen.

Der Schlossgarten ist täglich geöffnet von 10.00 bis 17.30 Uhr; ab 1. November von 10.00 bis 17.00 Uhr.

 

Wer einen Besuch im Schlossgarten Weikersheim plant, wird gebeten, vorab auf der Internetseite der Staatlichen Schlösser und Gärten das Formular zur Kontaktnachverfolgung herunterzuladen, auszudrucken und ausgefüllt mitzubringen. Damit erleichtern und beschleunigen Besucherinnen und Besucher die Registrierung entsprechend der Corona-Verordnung beim Besuch im Monument. Das Formular findet sich direkt auf der Startseite bei den Besuchshinweisen für die Coronazeit.

 

WEITERE INFORMATIONEN
Schloss und Schlossgarten Weikersheim
Marktplatz 11
97990 Weikersheim
Telefon +49 (0) 79 34.9 92 95 - 0
info@schloss-weikersheim.de

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