Schatzkästchen der Renaissance und des Barock

Schloss und Schlossgarten Weikersheim

Portrait der Gräfin Magdalena; Foto: Hohenlohe-Zentralarchiv, Neuenstein
KLUGE HERRSCHERIN AUS MÄCHTIGER FAMILIE

MAGDALENA VON

NASSAU-KATZENELNBOGEN

Gräfin Magdalena (1547–1633) entstammte dem einflussreichen Adelsgeschlecht der Grafen von Nassau-Katzenelnbogen und heiratete 1567 Wolfgang II. von Hohenlohe. Sie war eine moderne, hochgebildete und tief religiöse Frau, die den Weikersheimer Hof belebte und prägte.

Allianzwappen Hohenlohe-Nassau, an der Decke des Treppenturms, Schloss Weikersheim, 1598 von Gerhard Schmidt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Allianzwappen von Hohenlohe-Nassau in Weikersheim.

AUS WELCHER FAMILIE KAM DIE GRÄFIN?

Magdalena entstammte der Adelsfamilie Nassau und wurde lutherisch erzogen. In der europäischen Politik des 16. und 17. Jahrhunderts war ihre Familie äußerst einflussreich: Ihr Bruder Wilhelm I. von Oranien kämpfte in Religionskriegen auf protestantischer Seite und war ein wichtiger Protagonist im Kampf der Niederlande um Unabhängigkeit. Magdalena war tief religiös und wandte sich, wie auch ihre Mutter und später ihr Bruder, den Lehren des Reformators Johannes Calvin zu.

Portrait des Grafen Wolfgang II. von Hohenlohe; Foto: Hohenlohe-Zentralarchiv, Neuenstein

Ihr Mann setzte Reformen durch.

WEN HEIRATETE GRÄFIN MAGDALENA?

Gräfin Magdalena kam mit der Heirat von Graf Wolfgang II. in ein Adelshaus, das zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahrzehnt die lutherische Reformation eingeführt hatte. Ihr Mann bemühte sich um eine Neuordnung des Landes mit Hilfe zahlreicher Reformen. Dabei entsprach er den Ideen des Calvinismus, dessen Lehren auch die Gräfin folgte. Ihr Einfluss auf Graf Wolfgang II. in religiösen Dingen zeigt sich etwa in den Kirchenordnungen, die ihr Ehemann für Hohenlohe erließ.

Portrait Juliana von Stolberg; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Ihre Mutter Juliana zu Stolberg interessierte sich für Medizin.

WELCHE INTERESSEN HATTE MAGDALENA?

Die Gräfin war ziemlich beschlagen in Naturheilkunde und interessierte sich für Naturwissenschaften. Für Weikersheim war das von Vorteil, denn sie richtete im Schloss eine Apotheke ein und legte einen Garten mit Heilkräutern an. Aus ihren Studien entstand ein Arzneibuch, in dem sie auf über 600 Seiten Rezepte und die Ergebnisse ihrer Beobachtungen und Untersuchungen niederschrieb. Magdalenas Interesse mag von ihrer Mutter angeregt worden sein, die ein Buch mit medizinischen Rezepturen verfasste.

WELCHEN LEBENSSTIL WÄHLTE DIE GRÄFIN?

Das Interesse an Naturwissenschaften hatte sie mit ihrem Ehemann Graf Wolfgang II. gemeinsam. Dieser widmete sich besonders der Alchemie. Auch im Finanzwesen der Grafschaft mischte Magdalena aktiv mit. Viele Rechnungen tragen die Unterschrift der Gräfin, gleichberechtigt mit der ihres Ehemannes. Das moderne Selbstverständnis des Grafenpaares war praktischer Ausdruck der calvinistischen Theologie, die ihre Lebensführung prägte. Der Hofprediger bestätigte die harmonische Ehe des Grafenpaares und bemerkte im Jahr 1610: „Es haben solche beyde Grävenliche Eheleut ... zu Liebs- unnd Leidtszeiten ihre Eheliche pflicht einander so treulich geleistet, daß in ihrem Alter auß hertzlicher liebe je eines mit dem andern begehrte zu sterben.

Schloss und Marktplatz in Öhringen; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Öhringen war ihr Witwensitz.

WAS WEISS MAN NOCH ÜBER DAS LEBEN DER GRÄFIN?

Gräfin Magdalena hatte eine stabile Gesundheit. 14 Kinder brachte sie zur Welt, sechs Jungen und acht Mädchen – selbst für ihre Zeit eine große Kinderschar. Trotz dieser Strapazen lebte sie 23 Jahre länger als Graf Wolfgang II., der bereits 1610 starb. Als Witwe, so hatten die Eheleute vereinbart, konnte sie zwischen Öhringen und Schrozberg als Wohnsitz wählen. Sie entschied sich für Schloss Öhringen, wo sie 1633 starb.

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Über Kreuz