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Schatzkästchen der Renaissance und des Barock
Schloss und Schlossgarten Weikersheim
Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Archivraum, Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

ADLIGE ERINNERUNGSKULTURDIE GRAFEN VON HOHENLOHE

Erinnerung spielte für die meisten Menschen, insbesondere aber für den Adel eine wichtige Rolle: Je älter ein Geschlecht, desto vornehmer. Je größer die Taten der Vergangenheit, desto strahlender der Ruhm in der Gegenwart. Mit Residenz und Grablege, mit Stammbäumen und Wappen wies Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Weikersheim auf die Bedeutung seiner Familie hin.

Graf Albrecht von Hohenlohe und Ziegenhain, 1490, Hohenlohe-Zentralarchiv

Erinnerung an „Albrecht Grave von Hohenloe zu Ziegennhayn unnd zu Nydda“.

ZUKUNFT BRAUCHT VERGANGENHEIT

Was darf nicht vergessen werden? Glücks- oder auch Unglücksmomente, Erfolge und Misserfolge, Freunde und Familie? Erinnerung ist nicht nur in die Vergangenheit gerichtet, sie beschränkt sich auch nicht bloß auf das Hier und Jetzt, sondern weist auch in die Zukunft. Beispielhaft hierfür stehen die Erinnerungsstücke Graf Wolfgangs II. von Hohenlohe. Mit ihnen versicherte er sich seiner Herkunft und erinnerte an die eigene Geschichte. So sicherte er den herrschaftlichen Anspruch seines Geschlechts.

Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Rittersaal

Zwei Stammbäume flankieren den Prunkkamin im Rittersaal.

Die Stammbäume im Rittersaal

Der prächtige Rittersaal diente als Festsaal im Schloss Weikersheim. Dabei versteht sich die westliche Saalwand mit den beiden Stammbäumen rechts und links vom Prunkkamin als prominente Schauwand. Hier findet sich zwei Stammbäume, die aus den beiden Liegefiguren emporwachsen: Fünf Generationen gehen von Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Weikersheim (1546–1610) und von Gräfin Magdalena (1547–1633) von Nassau-Katzenellenbogen aus. Mit dieser Ahnenprobe zeigte die Familie ihre adelige Herkunft – wichtig für Graf Wolfgang II., der in den Fürstenstand erhoben werden wollte.

Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Treppenraum, Wappen an der Decke

Das Wappen von Hohenlohe-Nassau dient als Abschluss der Spindeltreppe.

ERINNERUNG AN EINE ZUKUNFSTRÄCHTIGE VERBINDUNG

Im Küchenbau von Schloss Weikersheim findet sich ein besonderes Erinnerungsstück. An der Decke der „Schnecke“, einer kunstvollen Wendeltreppe, prangt ein Allianzwappen. Es dokumentiert und erinnert an die zukunftsträchtige Verbindung von Gräfin Magdalena von Nassau-Katzenelnbogen mit Graf Wolfgang II. von Hohenlohe. Die Wappen der beiden Adligen wurden hierfür miteinander verschmolzen. Fünf Helme, Federn und Blätter zieren die Darstellung aus Stuck, eingerahmt wird sie von einem Früchtekranz.

Schloss und Schlossgarten Weikersheim, Tumba Graf Wolfgangs II.

Inszenierung im Tod: die Prachttumba Graf Wolfgangs II. und seiner Frau.

EIN ADELIGES HOCHGRAB

Als Graf Wolfgang II. die Herrschaft Weikersheim erbte, baute er hier sein Residenzschloss. Außerdem benötigte er eine eigene Grablege für seinen Zweig der Familie. Dafür ließ er ab den 1590er-Jahren eine Gruft in der Evangelischen Stadtkirche St. Georg herrichten. Seine Tumba, ein Hochgrab, gab er schon zu Lebzeiten in Auftrag. Bis zum Aussterben der Linie Hohenlohe-Weikersheim im 18. Jahrhundert wurden in der Stadtkirche alle Mitglieder der Familie bestattet. Heute ist die Tumba Graf Wolfgangs II. in einem Nebenraum von Schloss Weikersheim zu sehen.